Great Walk: Der Kepler Track

Das Wetter und das Essen – unsere Vorbereitung

Als wir uns entscheiden, nach Neuseeland zu fliegen, dränge ich Marcel dazu, einen der Great Walks, der bekannten Mehrtageswanderungen zu gehen. Schnell fällt unsere erste Wahl auf den Milford Track, für den wir aber leider kein Permit mehr erhalten. Aber auch der Kepler Track überzeugt uns, sodass wir 2 der letzten Permits beantragen und unsere restliche Reise um diese nun festgelegten Daten herum planen. Bereits Tage vor der Wanderung verfolgen wir aufmerksam das Wetter: Windguru vs. Google Wetter, MetService vs. iPhone Wetter. Marcel glaubt natürlich immer der Seite, die das beste Wetter vorhersagt. Da wir bis jetzt in Neuseeland eher Pech mit dem Wetter hatten, hoffen wir auf gute Tage auf dem Kepler Track. Bitte keinen Regen. 5 Stunden wandern bei Dauerregen auf dem letzten Stück des Abel Tasman Great Walk (für den wir uns dann auch noch entschieden haben) und ein Tagesniederschlag von 14 mm am Fox Glaciar reichen uns. Am Nachmittag vor Beginn der Wanderung haben wir natürlich Dauerregen in Te Anau. So bleibt wenigstens genug Zeit in Ruhe einzukaufen und unsere Rucksäcke zu packen. Im FreshChoice kaufen wir Nutella, Eier, Nudeln, Nüsse, Wasser, Bananen, Oat Meal und Brot. 2 Snickers dürfen natürlich auch nicht fehlen. Powerriegel sind noch vom Abel Tasman Great Walk übrig geblieben. Im Visitor Center bekommen wir unsere Tickets für die Huts, die Hütten, in denen wir übernachten, werden. Und natürlich fragen wir die Ranger nach dem Wetter. “Es sieht ganz gut aus, nur einige Regenschauer erwarten euch, ansonsten ist es bedeckt”, bekommen wir als Antwort. Das soll gut sein, fragen wir uns? Etwas Regen und bedeckt? Da sagt ‘unser’ Wetter aber etwas anderes. Vertrauen wir einfach mal aufs Internet, das sonniges Wetter vorhersagt. Wir haben öfter das Gefühl, dass die Ranger in Neuseeland den Touristen schlechteres Wetter nennen, als es dann wirklich ist, um ihnen keine allzu große Hoffnung zu machen. Im Motel packen wir unsere Rucksäcke und stellen fest, dass wir ziemlich viel Essen mitnehmen. Wie sich später herausstellt, war es eher zu wenig.

Unsere vollständige Packliste findet ihr in unserem Reisebericht Packliste Kepler Great Walk

Wibke beim Brötchen schmieren

unser Proviant und unsere Kleidung für den Kepler Great Walk

Tickets für die Huts auf dem Kepler Great Walk

Tag 1: Car Park – Luxmore Hut (16 km)

Am nächsten Morgen stehen wir um 8.00 Uhr auf, noch ist es komplett wolkenverhangen und regnet. Marcel holt frische Brötchen. 14 belegen wir mit Eiern, Schinken und Nutella, um sie als Proviant mitzunehmen. Langsam machen wir uns auf den Weg Richtung Trailhead, der 6 km südwestlich von Te Anau liegt. Wir starten die Wanderung am Kepler Track Car Park. Es regnet immer noch. Marcel ist fest entschlossen, dass es um 11.30 Uhr aufhört, weil einer der Wettervorhersagen das so sagt. Wir gucken im Auto noch 2 Folgen The Big Bang Theory, bis es tatsächlich um 11.40 Uhr aufhört zu regnen. Die Rucksäcke liegen fertig gepackt im Kofferraum. Jetzt kann es losgehen. Die ersten 6 km führen ebenerdig durch einen Wald, parallel zum Lake Te Anau. Wir fühlen uns wie im Dschungel, der Wald ist teilweise sehr dicht bewachsen, überall entdecke ich riesige Fliegenpilze. Erster Etappenstop ist die Brod Bay Campsite, die wir nach 1½ Stunden erreichen. Danach geht es 2½ Stunden steil bergauf. Nach dem starken Regen der letzten Tage ist der Weg an vielen Stellen sehr schlammig. Nach dem stärksten Anstieg, 900 Höhenmeter hinauf, erreichen wir die Baumgrenze und haben einen ersten schönen Blick auf die Berge. Hier legen wir eine Pause ein, ich baue die GoPro auf. Die Wolken ziehen an den Berggipfeln vorbei und verwandeln das Plateau in ein mystisches Szenario. Nach 45 Minuten Pause (die wir nur wegen des GoPro Zeitraffers so lange einlegen) gehen wir die letzten 30 Minuten zur Luxmore Hut. Die Luxmore Hut liegt am Berghang mit Blick auf den South Fjord. Die Hut bietet Platz für 54 Leute in 2 Schlafsälen. Toiletten gibt es, Duschen und Strom nicht. Marcel und ich haben Glück, dass wir noch 2 Betten nebeneinander finden. Die Hochbetten sind aus massivem Holz, es gibt Gummimatratzen. Einen Schlafsack muss man selbst mitbringen. Bevor es dunkel wird, machen wir noch einen Abstecher zur Luxmore Cave, einer nahegelegenen Höhle. Um 19.00 Uhr gibt es eine Sicherheitseinweisung durch den Ranger. Anschließend machen wir uns über einem Gaskocher unsere 3-Käse-Nudel Packungen. In der Great Walk Season (in der Regel November bis Mai) gibt es Gas in den Huts, sodass man keinen eigenen Gaskocher mitnehmen muss. Teller, Besteck und Töpfe müssen immer selbst mitgebracht werden. Im Schlafsaal ist es ziemlich kalt geworden, draußen sind es mittlerweile nur noch 5 Grad. Wir mummeln uns in die Schlafsäcke und machen die Augen zu. 2 Schnarcher rauben uns leider den erholsamen Schlaf. Nächstes Mal sollte ich an Ohropax denken.

Marcel während der Pause an der Brod Bay Campsite

während der Wanderung zwischen Kepler Track Car Park und Brod Bay Campsite

matschiger Aufstieg zwischen Brod Bay Campsite und Luxmore Hut

Plateau kurz vor der Luxmore Hut

Blick auf den South Fjord

Wibke auf dem Plateau kurz vor der Luxmore Hut

Luxmore Hut

Wibke beim Abendessen in der Luxmore Hut

Tag 2: Luxmore Hut – Iris Burn Hut (29 km)

Am Morgen wachen wir gegen 7.30 Uhr auf. Der erste Blick aus dem Fenster und alles ist wolkenverhangen. Alle reden über das Wetter, alle wollen Wetterexperten sein. Die Wolken ziehen von Süden nach Norden, es könnte regnen, es klart auf. Nach unserem Frühstück mit Nutella Brötchen und Oat Meal packen wir unsere Sachen, füllen die Wasserflaschen auf (das Wasser aus den Leitungen kann ohne Bedenken getrunken werden, also bei uns war alles gut) und machen uns auf die zweite Tagesetappe, das Alpine Crossing, den spektakulärsten Abschnitt der Wanderung. Das Schild sagt 6 Stunden Wanderung zur Iris Burn Hut. Wir brauchen 8 Stunden, da die Kamera in den nächsten Stunden nicht still steht und wir jegliche Abstecher gehen. Die erste ½ Stunde wandern wir in der dicken Wolkendecke und sehen nicht wirklich etwas. Es geht immer weiter bergauf, irgendwann erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen. Bald sind wir durch die Wolkendecke hindurch und sehen auf zahlreiche Berggipfel, die über den Wolken emporragen. Bald gehen wir einen Abstecher hinauf zum Gipfel des Mount Luxmore. Unsere Rucksäcke lassen wir unten liegen. Der Blick von oben ist traumhaft schön, Marcel knipst ein Foto nach dem anderen. Die Wolkendecke verschwindet ganz langsam, sodass sich immer weitere Blicke auf die Berglandschaft rund um die Kepler Mountains eröffnen. Wieder zurück vom Gipfel des Mount Luxmore geht der Weg einige Höhenmeter hinunter zum Forest Burn Shelter und dann wieder hinauf bis wir die nächsten 7 km auf dem Bergkamm entlang wandern. Egal wohin ich schaue, die Natur hat mich. Die Ausblicke sind atemberaubend, mittlerweile haben wir strahlend blauen Himmel, die Sonne scheint, es sind 18 Grad und ich genieße die Ruhe der Natur. Zum Nachmittag hin wird es anstrengender, wir haben allein von den letzten beiden Tagen über 30 km in den Beinen und 10 kg auf dem Rücken. Nach dem Alpine Crossing beginnt der Abstieg. Erst geht es ganz gemächlich über der Baumgrenze nach unten, dann in zahlreichen Serpentinen durch einen Wald insgesamt 800 Höhenmeter hinab und die letzten 45 Minuten fast ebenerdig bis zur Iris Burn Hut. Die Hut liegt malerisch in der Abendsonne, einige genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages vor der Hütte. In der Iris Burn Hut gibt es 50 Bunks, aufgeteilt auf 3 Säle. Marcel und ich sichern uns, wie letzte Nacht auch, oben in einem Hochbett Schlafplätze, haben dieses Mal aber 3 Matratzen für uns. Bevor es dunkel wird, machen wir uns noch auf den Weg zum Iris Burn Waterfall, 20 Minuten pro Strecke. Am Abend gibt es wieder 3-Käse-Nudeln und etwas Brot. In der Hoffnung, diese Nacht etwas besser zu schlafen, legen wir uns gegen 21.00 Uhr ins Bett. Mit dem Licht meiner Stirnlampe klettern wir in unsere Schlafsäcke. In den Huts gibt es keinen Strom. Ich liege auf der Matratze, baue mir mit meinem Sweatshirt ein Kissen und träume von einer Dusche. Damit muss ich aber noch 1 Tag warten. Leider wird unsere Hoffnung nicht Realität und ein Schnarcher liegt direkt unter uns. Ich liege ziemlich lange wach und drehe mich von einer zur anderen Seite.

Alpine Crossing des Kepler Track

Wibke und Marcel am Gipfel des Mount Luxmore

Aufstieg zum Gipfel des Mount Luxmore

Wibke und Marcel während des Abstiegs zur Iris Burn Hut

Marcel am Gipfel des Mount Luxmore

Alpine Crossing des Kepler Track

letztes Teilstück zur Iris Burn Hut

Iris Burn Hut

Schlafsaal in der Iris Burn Hut

Tag 3: Iris Burn Hut – Rainbow Reach (25 km)

Um 7.00 Uhr stehen Marcel und ich mit dem Lärm zahlreicher Keas auf. Wieder gibt es Oat Meal zu Essen. Unser Essensvorrat hat sich mittlerweile ziemlich minimiert. Mein Magen knurrt immer noch als wir uns auf den Weg machen. Das Wetter ist wieder richtig gut, die Sonne scheint. Heute haben wir kaum Höhenunterschiede vor uns, lediglich 400 Höhenmeter auf insgesamt 25 km. Der erste Streckenabschnitt führt durch einen Wald bis wir nach 30 Minuten ein breites Tal erreichen. Dann geht es wieder in den Wald. Ich fange total an zu zittern, mir wird schwindelig. Ich glaube, das war zu wenig Frühstück. Gut, dass wir noch einen Powerriegel, ein trockenes Stück Brot und ein paar Nüsse im Gepäck haben. Nach dem Essen geht es mir viel besser und wir halbieren die angegebene Zeit. Wir planen vom Rainbow Reach Car Park zu unserem Auto mit einem Shuttlebus zu fahren. Das letzte Teilstück des Kepler Great Walk lassen wir aus. Da wir noch so viel mehr in Neuseeland sehen wollen, müssen wir irgendwo Zeit einsparen. Der Shuttlebus fährt um 15.00 Uhr und um 17.00 Uhr. Wir sind uns nicht sicher, ob wir den Bus um 15.00 Uhr schaffen. Also legen wir einen Schritt zu, laut Marcels Apple Watch gehen wir nun 8 km/h. Der Weg führt durch einen Wald über die Moturau Hut am Lake Manapouri bis zum Rainbow Reach Car Park. Die letzten Meter quäle ich mich, das Tempo war echt hart. Um 14.50 Uhr kommen wir am Parkplatz an und erreichen den Shuttlebus. Kaputt, aber super glücklich und stolz steigen wir in den Bus, mit 70 km von den letzten 3 Tagen in den Beinen.

Tal zwischen Iris Burn Hut und Rocky Point Shelter

Tal zwischen Iris Burn Hut und Rocky Point Shelter

während der Wanderung zwischen Iris Burn Hut und Rocky Point Shelter

Wibke am Ende des Kepler Track am Rainbow Reach Car Par

Karte & Links

Te Anau

Kepler Track DOC

Noch mehr Bilder und Informationen zu dem Kepler Track und Neuseeland findest du in unserem Neuseeland Reiseführer

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Packliste für den Kepler Great Walk

Wir wandern 3 Tage auf dem Kepler Track im Fjordland National Park in Neuseeland – aber was nehmen wir mit? Schlafsack, warme Jacke, Topf. Hier ist unsere Packliste für den Kepler Great Walk, perfekt zur Vorbereitung eurer Wanderung.

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aktualisiert am 25. April 2016 von Wibke Melanie