4 Gründe, warum man Amritsar unbedingt besuchen muss

1. barfüßige Erkundungstour des Goldenen Tempels

Der Goldene Tempel ist das höchste Heiligtum der Sikhs. Natürlich machen Marcel und ich uns als erstes auf den Weg zu diesem beeindruckenden Bauwerk in Amritsar im Bundesstaat Punjab, das zu den neuen 77 UNESCO Weltwundern zählt. In der Tempelanlage herrscht sowohl für Frauen als auch für Männer Kopftuchpflicht. Da ich mein Tuch natürlich im Hotel vergessen haben, kaufen wir uns auf dem Weg 2 Tücher. Marcel entscheidet sich für das knall-orange, ich für das Weiße, mit dem ich wie eine Köchin aussehe. Auch egal, dass wir durch Marcels grelle Kopftuchfarbe noch mehr auffallen, wir stehen sowieso schon unter Dauerbeobachtung. Aber dazu im nächsten Absatz mehr. Unsere Schuhe versuchen wir im Gedränge an einem Schalter vor der Tempelanlage abzugeben. Schuhe, Süßigkeiten und Tabak sind im Inneren strengstens verboten. Den Rucksack dürfen wir als weiße Touristen mitnehmen. Der Tempel ist 24 Stunden geöffnet, der Eintritt kostenfrei. Durch ein Wasserbecken, in dem die Füße gereinigt werden, betreten wir den Tempel. Ich hoffe einfach mal, dass hier keiner Warzen oder Fußpilz hat. Der komplett mit Blattgold bedeckte Tempel liegt in einem heiligen See und ist mit einer Brücke verbunden. Die Sikhs glauben, das Wasser kann Krankheiten heilen. Daher findet man hier viele im See baden. Die Tempelanlage wird von weißen Gebäuden und weiteren kleinen Tempeln umrahmt. Marcel und ich genießen das Erkunden des Goldenen Tempels. Im Schatten ist die Temperatur angenehm, das Barfuß-Laufen macht Spaß und die Gesänge der Sikhs sind irgendwie beruhigend. Der Goldene Tempel kann auch von innen besichtigt werden. Allein das Anstehen ist ein Erlebnis. In der 1 stündigen Warteschlange werden wir von Kopf bis Fuß begutachtet, die Inder, die neben, vor und hinter uns stehen, kennen nun wohl jede einzelne Hautpore meines Gesichts. Was die weiße Hautfarbe hier doch so alles ausmacht. Hat man sich auf der Brücke nach vorne gekämpft, darf man 20 Sekunden durch das Innere hindurch sausen. Dann greift ein Mitarbeiter mit seinen bloßen Händen in einen riesigen Topf und holt irgendeine Matschepampe heraus, die ich essen soll. Ich habe keinen Plan, was ich da probiere, schmecken tut es nicht sonderlich. Trotzdem ist der Goldene Tempel in Amritsar ein beeindruckendes Gebäude, deren besondere Stimmung man einfach mal erlebt haben sollte. Marcel und ich habe die Zeit hier sehr genossen und nebenbei tolle Fotos gemacht. Im sonstigen Trubel der Stadt fühlt man sich hier wie in einer indischen Ruheoase, wenn auch unter Dauerbeobachtung wie ihr im nächsten Abschnitt lesen könnt.

Goldener Tempel in Amritsar

Goldener Tempel in Amritsar

Sikh im Goldenen Tempel in Amritsar

Marcel mit seinem knall-orangenen Tuch im Goldenen Tempel in Amritsar

Goldener Tempel in Amritsar

Sikh im Goldenen Tempel in Amritsar

2. Snap? Picture? Selfie? Die Inder sind verrückt!

In Amritsar ist der westliche Massentourismus noch nicht angekommen. Hier herrscht noch traditionelleres und ursprünglicheres Alltagsleben. Die Inder freuen sich gefühlt über jeden Weißen, der ihnen begegnet. One Snap? Picture? Selfie? Wir kommen nur sehr langsam voran. Die Inder stehen total darauf, Fotos mit uns zu machen. Mal ein Selfie mit nur einem, mal ein Gruppenfoto mit der ganzen Familie. Aber das reicht noch nicht. Auch von mehreren kleinen Babys, die mir Mütter aufzwängen, bleibe ich nicht verschont. Ob die Fotos wohl im Familienalbum landen und sich das Baby in 20 Jahren fragt, warum zum Teufel es auf dem Arm einer fremden Weißen ein Foto machen musste? Und wer weiß, in wie vielen indischen facebook Accounts wir nun zu sehen sind. Where are you from? Sie scheinen Deutschland zu lieben. Vor allem im Inneren des Goldenen Tempels und im Zentrum von Amritsar wird Fotos machen mit Indern zu unserer Hauptbeschäftigung. Irgendwann umfasst dann auch unser Inventar zahlreiche Fotos mit Indern. Die Menschen hier in Amritsar sind super nett, wir machen gerne Fotos mit Ihnen, kommen mit einigen ins Gespräch sofern sie englisch können (in Jaipur und Neu Delhi lehne ich irgendwann konsequent die Fotos ab, da die meisten Inder hier mega dreist und aufdringlich werden). Irgendwie ist es aber auch verrückt, dass sie über uns tuscheln und sich oft nicht trauen, uns nach einem Foto zu fragen – und das nur wegen unserer Hautfarbe und Herkunft. Ziemlich crazy diese Inder in Amritsar.

Wibke mit Indern vor dem Goldenen Tempel in Amritsar

Wibke mit indischem Kleinkind im Goldenen Tempel in Amritsar

Wibke mit Indern vor dem Goldenen Tempel in Amritsar

3. Grenzschließung á la Pakistan und Indien – Wagah Attari Border

30 km von Amritsar entfernt liegt die Wagah Attari Border, der einzige Grenzübergang zwischen Pakistan und Indien. In einer theatralischen Zeremonie wird hier jeden Abend die Schließung der Grenze gefeiert, warum auch immer. Tausende von Schaulustigen besuchen das tägliche Spektakel, das sowohl auf der indischen als auch auf der pakistanischen Seite zelebriert wird. Natürlich sind Marcel und ich auch dabei. Mit einem Taxi, das wir über unser Hotel für 950 Rupien gebucht haben, machen wir uns um 15.15 Uhr auf den Weg. Zig Tuk Tuks und Autos pilgern nun Richtung Pakistan, um an der skurrilen Zeremonie teilnehmen zu können. Den letzten Kilometer müssen wir zu Fuß gehen, da er für Autos gesperrt ist. Am Straßenrand verkaufen junge Männer indische Flaggen, junge Frauen wollen uns welche ins Gesicht malen. Das ganze hier erinnert mich irgendwie an Public Viewing bei der Fußball-WM oder EM. Taschen sind an der Grenze nicht erlaubt, Kamera und Trinken darf man in die Hand nehmen. Man darf auf keinen Fall seinen Reisepass vergessen, da man sonst nicht eintreten darf. Für weiße Touristen gibt es gesonderte Sicherheitskontrollen, damit man die langen Schlangen umgehen kann. Daher immer drauf achten, wo man sich anstellt. Der Eintritt ist kostenfrei. Je näher wir uns der Grenze nähern, desto lauter hören wir Musik aus Lautsprechern tönen. Wir als weiße Touristen dürfen uns auf eine extra Tribüne setzen. Vor der offiziellen Zeremonie geht die Party ab. Die Menschen tanzen auf der Straße, grölen indische Songs und versuchen die Pakistani auf der anderen Seite des Tores zu übertönen. Dann geht es los, die Soldaten paradieren mit martialischem Gehabe in Richtung Pakistan, das Tor wird geöffnet, die kommandierenden Offiziere geben sich die Hände, beide Flaggen werden eingeholt, das Tor wird geschlossen. Und das jeden Abend, jeden Abend mit so vielen Zuschauern auf vollen Rängen. Kaum zu glauben. Nach 1 guten Stunde ist das Spektakel vorbei und alle stürmen Richtung Grenztor. Doof, dass ich auch diese Idee habe und Marcel mitzerre. Ich möchte unbedingt ein schönes Foto vom indisch-pakistanischen Grenztor machen. Blöd nur, dass wir ganz vorne stehen und uns 1000 Inder von hinten gegen die Absperrkette drücken. Nachdem wir es irgendwie geschafft haben, uns aus dem Gedränge zu befreien, lässt uns ein Soldat vor die indische Menschenmenge zum Tor, damit wir ein Foto machen können. Es geht also auch ganz einfach, hätten wir das mal vor der ganzen Zerdrück-Einheit gewusst. Mit dem verrückten Drumherum ist die Grenzschließung der Wagah Attari Border ein absolutes Must-see. Die Zeremonie ist für uns ein unterhaltsames Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden. Public Viewing mal anders.

Militär an der Wagah Attari Border nahe Amritsar und Lahore

auf dem Weg zur Wagah Attari Border

indische und pakistanische Grenzschließung an der Wagah Attari Border

Grenztor von Indien und Pakistan an der Wagah Attari Border nahe Amritsar und Lahore

Zeremonie der Grenzschließung zwischen Indien und Pakistan an der Wagah Attari Border

4. Pure Vegetarian – Tofu Sub und Tofu Pizza

Da die meisten Sikhs Vegetarier sind, gibt es im Zentrum von Amritsar kein Restaurant, in dem man Fleisch essen kann. Außen an den Restaurants hängen überall Schilder und Plakate mit der Aufschrift Pure Vegetarian. Wir wollen nur schnell etwas essen, unser erster Blick fällt auf Pizza Hut und Subway. Wir entscheiden uns für Subway und müssen feststellen, dass es selbst hier kein Fleisch gibt. Stattdessen gibt es jeden Sub mit Tofu. Wo gibt es schon Fastfood mit Tofu anstatt Rind oder Chicken? Ich entscheide mich für ein Sub mit Paneer Tikka, es ist super lecker und schmeckt so gar nicht nach dem typischen Subway. Irgendwie viel besser. Marcel sieht dem ganzen noch skeptisch entgegen, sein Hunger ist aber auch gestillt. Auch diese Erfahrung war es wert nach Nordindien zu kommen, Amritsar, eine vegetarische Stadt eben.

Pure Vegetarian Pizza Hut in Amritsar

Zentrum von Amritsar, der vegetarischen Stadt

McDonald's in Amritsar auch Pure Vegetarian

Karte & Links

Amritsar

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aktualisiert am 15. Januar 2016 von Wibke Melanie