4 Tage im argentinischen El Chalten

Anreise von El Calafate

213 km sind es auf der Straße von El Chalten nach El Calafate. Die Fahrzeit mit einem Auto beträgt gut 2½ Stunden. Warum ich mit einem Auto schreibe? Hier unten in Patagonien trifft man auf einige Abenteuerlustige, die andere Verkehrsmittel wählen. Michael ist mit dem Fahrrad von Alaska bis hier unten ins südliche Argentinien gefahren. Maria und Pablo bereisen Südamerika komplett ohne Geld und müssen daher einige Strecken zu Fuß zurücklegen. Auch wenn wir Abenteuer lieben, nehmen wir die schnellste und bequemste Variante, den Mietwagen.Jeder der hier unten mit dem PKW unterwegs ist, tankt in El Calafate. Tankstellen sind rar, es gibt 1 in El Chalten, ein paar in El Calafate und 2 in Rio Turbio. El Calafate hat sogar einen kleinen Flughafen. Aerolineas Argentinas bringt Touristen auf einem gut 3 stündigen Flug von Buenos Aires nach El Calafate. Es gibt mehrere Supermärkte, zahlreiche Läden mit Souvenirs und Wanderausrüstung und mehrere ATM’s, um seine Bargeldvorräte aufzustocken. In El Chalten gibt es zum großen Stolz der Bewohner seit 2 Jahren einen ATM. Bei unseren Kreditkarten jedoch versagt er kläglich. Gut, dass wir noch chilenische Pesos bei uns haben, die wir im Hostel Rancho Grande gegen argentinische Pesos tauschen. Noch mal Glück gehabt, ansonsten hätten wir die 213 km nach El Calafate fahren müssen, nur um Geld zu holen.

Anfahrt nach El Chalten über den Highway 40

Lago Argentino bei El Calafate

Eingangsschild zum Los Glaciares Nationalpark

Laguna Torre

El Chalten ist Ausgangspunkt für zahlreiche Ein- und Mehrtageswanderungen. Wir entscheiden uns für 3 Tageswanderungen und eine geführte Tour auf dem Viedma Gletscher. Unsere erste Wanderung geht zur Laguna Torre, einem wunderschönen Bergsee vor einer Gletscherzunge, der von Felsen eingerahmt wird. Die Wanderung ist 24 km lang. Ausgestattet mit 2 belegten Baguettes, Bananen, 2 Energy-Riegeln, 5 Litern Wasser und unserer Kameraausrüstung starten wir morgens um 8.30 Uhr die Wanderung. Die Baguettes haben wir in einem der 3 kleinen Supermärkte gekauft. Die Einkaufsmöglichkeiten halten sich in Grenzen. Je nachdem, wann Ware eintrifft, gibt es mal mehr, mal weniger zu kaufen. Wir decken uns mit Wasser, Bananen und ein paar Keksen ein. Frühstück haben wir in den Lodges und abends essen wir in einem der kleinen Restaurants. Am morgen zum Sonnenaufgang sind wir schon zum Mirador Los Condores gegangen, um schöne Fotos vom Monte Fitz Roy zu machen. Daher starten wir etwas später als gewöhnlich. Die Wanderung zur Laguna Torre ist super schön und macht viel Spaß. Stark hinauf geht es nur im ersten Teilstück. Gegen frühen Mittag kommen wir an der Laguna Torre an und werden mit einem einzigartigen Blick belohnt. Es ist strahlend blauer Himmel, fast windstill, die Sonne scheint. Wir machen ziemlich viele Fotos und genießen den Anblick des Cerro Torre, der sich hinter dem Bergsee auftürmt. Doch leider sind Wolken im Anmarsch. Innerhalb weniger Minuten ist alles zugezogen und der Wind bläst uns um die Ohren. Trotzdem gehen Marcel und ich noch das angrenzende Bergmassiv hinauf, um von oben auf die Lagune zu blicken. Jetzt ist es deutlich kälter und der Magen knurrt. Nach einer kurzen Mittagspause machen wir uns auf den Rückweg. Angekommen in El Chalten freuen wir uns auf unser Abendessen und auf die Wanderung am nächsten Tag.

Blick auf den Cerro Torre während der Wanderung zur Laguna Torre

Wibke und Marcel an der Laguna Torre

Laguna Torre mit Cerro Torre im Hintergrund

Marcel während der Wanderung zur Laguna Torre

Laguna Torre von oben

Wibke am Startpunkt der Wanderung zur Laguna Torre

Laguna de los Tres

Nun geht es zur Laguna de los Tres, knapp 30 km warten auf uns. Heute sind wir mit einem Lunch-Paket von unserer Lodge ausgestattet. Bis zur Campsite Poincenot brauchen wir gut 3 Stunden, von hier an geht es über Steingeröll steil bergauf. Manchmal fragen wir uns, warum unsere Kondition so schlecht ist. Doch egal, wir sagen uns, hauptsache wir kommen zum Ziel. Und das kommen wir auch. Für das letzte Teilstück benötigen Marcel und ich knapp 1½ Stunden. Oben angekommen machen wir erst mal Mittagsrast und setzen uns gemütlich auf die Steine. Von einer Sekunde auf die andere fängt der Wind an zu stürmen, sicherlich Windstärke 8 bis 9. Gerade noch kann ich meinen Müsliriegel festhalten, bevor er wegfliegt. So einen starken Wind habe ich noch nie erlebt. Trotzdem gehen wir zur Lagune herunter und machen wie immer zahlreiche Fotos. Eine Hand ist immer an meiner Mütze, da sie sonst wegfliegen würde. Die Rucksäcke schlagen am Rücken umher, wir müssen sie noch fester machen. Bei einigen Windböen setze ich mich auf den Boden und kralle mich an einem Stein fest. Gleich fliege ich weg. Marcel versucht sich nicht beirren zu lassen und macht weiter Fotos. Nach 1 Stunde in dem Höllenwind machen wir uns auf den Rückweg, den immer mehr Leute antreten. Ein Bergführer hält ein Kind fest, damit es nicht wegfliegt. So ein Wahnsinn. Ich falle 2 Mal hin, weil der Wind mich regelrecht umhaut. Auf dem Weg nach unten ist der Wind nicht mehr so stark, da die Felswand auf der geschützten Seite liegt. Am frühen Abend in El Chalten angekommen, bin ich echt kaputt. Jetzt helfen eine warme Dusche und ein leckeres Steak.

Wibke während der Wanderung zum Lago de los Tres

Marcel am letzten steilen Anstieg zum Lago de los Tres

Lago de los Tros mit Monte Fitz Roy im Hintergrund

Lunchpaket für die Wanderung zum Lago de los Tres

Wibke beim Blick vom Mirador Fitz Roy

Weggabelung zwischen Mirador Fitz Roy und Laguna Capri

Wibke bei starkem Wind am Lago de los Tres

Viedma Gletscher

Am nächsten Tag wollen wir eigentlich die geführte Tour auf dem Viedma Gletscher machen, die leider aufgrund des starken Windes ausfällt. So machen wir uns in Ruhe auf den Weg zum Aussichtspunkt Loma del Pliegue Tumbado. Die Wanderung ist nicht sehr anstrengend, die Aussicht super. An unserem vierten Tag in El Chalten unternehmen wir die Wanderung auf dem Viedma Gletscher. Gebucht haben wir die Tour bei Patagonia Aventura, einziger Anbieter in El Chalten. Leider sind die Gruppen sehr groß, sodass das Gehen mit Spikes auf dem Gletscher etwas langweilig wird. Man muss sehr lange auf alle warten. Wer mehr Aufregung haben möchte, sollte die Tour Viedma Pro buchen. Die Tour ist zwar deutlich teurer, jedoch klettert man mit Pickeln Eiswände hinauf. El Chalten hat für jeden etwas zu bieten. Auch wenn wir hier keine Mehrtageswanderung machen, haben wir einiges erlebt. Die Wanderungen machen wahnsinnig viel Spaß und haben zahlreiche beeindruckende Fotomotive zu bieten.

Bootsfahrt zum Viedma Gletscher mit Patagonia Aventura

Wibke und Marcel am Viedma Gletscher

Spikes für die Tour auf dem Viedma Gletscher

Wo kann ich schlafen?

El Chalten hat einige schöne Unterkünfte zu bieten, die zum Teil aber auch sehr teuer sind. Wir haben 3 Nächte in der Pudu Lodge gebucht. Doch kurz bevor es losgeht, grübeln Marcel und ich, ob es nicht Sinn macht noch 1 Nacht mehr in dem idyllischen Ort zu schlafen. Ok, wir sind uns einig und wollen noch 1 Nacht in der Pudu Lodge reservieren – ausgebucht. Vor allem in der Hauptsaison zwischen November und März sollte man frühzeitig eine Unterkunft buchen. Gut, dass Hosteria Tranqueras zu einem akzeptablen Preis noch ein Zimmer hat. Die erste Nacht also schlafen wir hier. Blöd nur, dass wir den Morgen um 4.30 Uhr vor verschlossener Tür stehen, als wir uns aufmachen wollen, den Monte Fitz Roy im Sonnenaufgangslicht zu fotografieren. Die Tür ist verschlossen und kein Schlüssel in Sicht. So ein Mist, wir wollen zum Mirador Los Condores gehen, um ein einzigartiges Foto zu ergattern und jetzt sind wir extra so früh aufgestanden und haben uns warm angezogen. Von unserem Gerede wecken wir den Aufpasser, der glaubt, Einbrecher hätten sich hineingeschlichen. Wir hätten gestern Abend Bescheid sagen müssen, dass wir so früh raus wollen. Wir dachten doch nicht, dass wir vor verschlossener Tür stehen. So ist es aber noch gut gegangen und wir können den spektakulären Farbwandel am Monte Fitz Roy beobachten, auch wenn es heute ein bisschen wolkenverhangen ist. Die anderen 3 Nächte schlafen wir in der Pudu Lodge, einer tollen kleinen Unterkunft mit leckerem Frühstück. Hier geben wir abends Bescheid, dass wir am nächsten Morgen früh aus dem Haus gehen.

Hosteria Tranqueras

Hosteria Tranqueras

Pudu Lodge

Pudu Lodge

Wo kann ich gut essen?

In El Chalten gibt es einige Restaurants. Wir gehen zwei Mal ins Patagonicus, eine kleine Pizzeria. Hier gibt es selbstgemachte Ravioli mit Parmesan. Die esse ich, Marcel nimmt eine 4 Käse Pizza. Beides ist super lecker. Dazu bekommen wir Nüsse und Brot. Das Patagonicus ist innen modern eingerichtet. Man sitzt bequem an großen Holztischen. Einen anderen Abend essen wir bei Ahonikenk, das nur wenige Meter vom Patagonicus entfernt ist. Auch hier schmeckt das Essen richtig lecker. Im Ahonikenk gibt es hauptsächlich Fleischgerichte. Marcel entscheidet sich für ein riesiges Rumpsteak, ich für das Schnitzel Wiener Art. Von dem Schnitzel wären wohl 3 Leute satt geworden. Wir sitzen an einem langen Holztisch mit vielen anderen. Das Restaurant ist urig eingerichtet. Wir fühlen uns hier richtig wohl und tauschen uns über die Wanderungen aus. Hier sitzen Weltenbummler aus aller Welt – Japan, Neuseeland, USA, Spanien… An unserem letzten Abend in El Chalten gehen wir im El Muro essen. Hier gibt es nur 7 Tische, wir sitzen dicht an dicht. Im El Muro ist das Essen teurer als in den anderen beiden Restaurants. Ich esse ein Sirlion Steak, Marcel wieder ein Rumpsteak. Natürlich trinken wir jeden Abend das super leckere Quilmes Bier, das in 1 Liter Flaschen serviert wird. Und auf jeder Wanderung freuen wir uns, auf das leckere Quilmes, das sogar ich als sonst nicht Biertrinkerin liebe.

leckeres Quilmes Bier im Patagonicus

Wibke und Marcel mit Rumpsteak und Schnitzel im Ahonikenk

Marcels Rumpsteak im Ahonikenk

Ahonikenk

El Muro

4 Käse Pizza im Patagonicus

selbstgemachte Ravioli mit Parmesan im Patagonicus

Karte & Links

El Chalten

El Chalten Informationen

Noch mehr Bilder und Informationen zu den Wanderungen und Argentinien findest du in unserem Argentinien Reiseführer

aktualisiert am 29. Mai 2016 von Marcel